Der dritte Mann
Deutschland ist Handball-Weltmeister. Der dritte Tormann beim THW Kiel, Henning Fritz, hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt.
Ein weiterer dritter Mann war Carsten Lichtlein.
Anders als Henning Fritz und Johannes Bitter stand er bei der WM nicht im Rampenlicht. Er musste Platz auf der Tribüne nehmen. Doch ihn hielt es selten auf seinem Sitz. Genauso wie Johannes Bitter. Ihn hielt es nicht auf der Bank. Aufgeregt hüpfte er immer wieder am Spielfeldrand auf und ab, peitschte seine Mannschaft und das Publikum an. Und als er im Endspiel für den verletzten Henning Fritz in den Kasten musste, reagierte er mehrmals prächtig.
Drei Torhüter, drei Situationen
Heiner Brand war nie Torwart. Aber er scheint etwas von Torleuten zu verstehen. Er schenkte Henning Fritz sein uneingeschränktes Vertrauen: Obwohl der Kieler in seinem Verein in der laufenden Bundesliga-Saison kaum zum Einsatz kam, setzte der Bundestrainer auf ihn als die Nummer 1. Und Henning Fritz dankte ihm dieses Vertrauen, in dem er sich von Spiel zu Spiel steigerte. Am Ende wurde er zum besten Torhüter des WM-Turniers gekürt.
Auch im Finale hielt Henning Fritz sensationell. Aber dann die Schrecksekunde für das deutsche Team, für das Publikum und wohl noch mehr für Johannes Bitter. Sein Torwartkollege, der gerade eben noch einen Tempogegenstoß pariert hatte, ging zu Boden und musste anschließend vom Spielfeld getragen werden.
Eine der schwierigsten Situationen für einen Torwart überhaupt. In einem so wichtigen Spiel in ein Tor zu gehen, das zuvor überragend gehütet wurde.
Und was ist mit dem dritten Mann? Er sitzt auf der Tribüne, will mit dem Team Weltmeister werden. Aber er hat überhaupt keine Chance ins Spiel einzugreifen. Das ist für jeden, der einmal Torwart gespielt hat, fast noch schlimmer. Zuschauen müssen. Das ist Nerven aufreibender als jede Verlängerung, als jedes Siebenmeterschießen, bei dem man selbst im Tor steht.
Am Ende werden alle drei Torhüter Weltmeister: Henning Fritz, Johannes Bitter und Carsten Lichtlein – zusammen mit einem wirklich tollen Team.
Nummer 1, 2 oder 3
Die Kroaten waren der eigentliche Topfavorit für den WM-Titel. Allerdings fehlte in ihren Reihen „Deutschland-Schreck“ Vlado Sola. Der Torhüter, der die deutschen Spieler in den verlorenen Finals der WM 2003 und der Olympischen Spiele 2004 mit seinen Paraden schier zur Verzweiflung gebracht hatte, wurde wegen einer drohenden Schulteroperation nicht für das 16-köpfige Aufgebot nominiert. Als sein Vertreter Dragan Jerkovic im Viertelfinale hart am Kopf getroffen, musste ein 21-Jähriger seinen Platz einnehmen: Mirko Alilovic. Der junge Torhüter vom spanischen Klub Ademar Leon hatte bis zur WM-Vorbereitung noch kein Länderspiel gemacht. Er ging ins Tor und zeigte eine klasse Leistung, ja vielleicht sogar eine Weltklasse-Leistung. Und das hätte den Kroaten eigentlich reichen müssen, um das Spiel gegen Frankreich zu gewinnen. Doch da war noch Thierry Omeyer, die französische Nummer 1. Der Mann, der zusammen mit dem Schweden Mattias Andersson Henning Fritz aus dem Kieler Tor verdrängt hatte, hielt nicht nur Weltklasse, der Franzose spielte wie von einem anderen Stern. Am Ende erzielten die Kroaten gerade einmal 18 Treffer in sechzig Minuten. Frankreich gewann 21:18.
Entscheidend: die Torhüter.
Ivano Balic, der Spielmacher der Kroaten, wurde als MVP (most valuable player) geehrt. Über Sieg oder Niederlage aber haben in vielen Begegnungen die Torhüter entschieden. Henning Fritz wurde in das Allstar-Team der WM gewählt. Und das obwohl er in der Torhüter-Statistik mit einer Quote von 39 Prozent gehaltener Würfe nur Rang 13 belegt. Das zeigt: Es kommt nicht allein darauf an, wie viel Würfe ein Torhüter hält, sondern auch wie und in welchem Moment. Unterm Strich war die Handball-WM 2007 vor allem auch eine WM großartiger Torhüterleistungen.
Bevor wir’s vergessen: Herzlichen Glückwunsch vom Rest des Torblogger-Teams an die neuen Handballweltmeister, ganz speziell an die drei Torhüter und ihren Trainer.
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