Ungeliebter Teamgeist

Der Teamgeist kommt bei Torhütern nicht gut an. Das ist eine alarmierende Erkenntnis aus dem DFB-Trainingslager in Genf.
Nein, keine Sorge, liebe Hüter der Linie, die Rede ist nicht von jener Charaktereigenschaft, ohne die im Fußball gar nichts geht, sondern vom offiziellen WM-Spielgerät: Dem WM-Ball namens "Teamgeist". Er fliege sehr schnell und sei besonders bei Regen schwer unter Kontrolle zu kriegen, neige zum Flattern. Sagt einer, der es wissen muss: Jens Lehmann, Deutschlands neue Nummer 1.
Leider kein Einzelfall: Alle bekannten Hersteller tendierten in jüngster Zeit dazu, "den Ball für den Torhüter so zu gestalten, dass die Torhüter schlecht aussehen", so die Einschätzung des Nationaltorhüters. Glaubt man der ¬ Bild-Zeitung, gibt ihm die FIFA da sogar Recht. Der WM-Ball werde "von den Stürmern geliebt, von den Torhütern gefürchtet. Er wird für Furore und viele Tore sorgen", wird der Weltverband zitiert.
Beschwerden über den Spielball sind unter Profis indes nicht neu. "Schneller, härter, schärfer", so lautet für die Ballhersteller offenbar seit längerem das Gebot der Stunde. Krönung des Wettrüstens: Ein neu entwickelter Diadorra-Ball in stylischer rot-weißer Tipp-Kick-Optik, der Hannovers Nummer 1 Robert Enke nach nur wenigen Probeschüssen glatt die Handschuhe zerfetzte. Teamkollege Per Metersacker hatte sich beim Kopfball sogar leichte Schürfwunden zugezogen. Offenbar eine Fehlentwicklung! Das musste dann auch der Ausrüster einsehen - und besserte nach, entschärfte das Geschoss.
Einig jedenfalls sind sich die Torhüter in Liga eins, dass "jeder Ball anders ist", wie Herthas Christian Fiedler zu Saisonbeginn im Gespräch mit der ¬ Frankfurter Rundschau klagte und im Namen seiner Zunft "einen einheitlichen Bundesliga-Ball für alle Stadien" forderte. Bisher ohne Erfolg. Nach wie vor bestimmt allein der jeweilige Ausrüster, was gespielt wird.
Und: Auch klar, dass Neuentwicklungen nicht unbedingt zu Gunsten der Torhüter ausfallen. Schließlich sind Tore ja das Salz in Suppe. Auslöffeln muss die dann allerdings meist der Schlussmann.
Dass die 10 Bälle, die in der Bundesliga im Umlauf sind, sich nicht gleichen wie ein Ei dem anderen, sondern grundverschieden sind, weiß übrigens auch Jürgen Klopp. Der Trainer vom Mainz 05 lässt seine Jungs daher immer schon Mitte der Woche mit dem Modell trainieren, das sie beim kommenden Gegner erwartet. Eigens zu diesem Zweck lagern am Bruchweg mehr als ein halbes Dutzend unterschiedliche Kugeln im Stahlschrank des Zeugwarts.
Unterm Strich ganz schön ballaballa, der ganze Tanz um die Pille.
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